Zur Geschichte von Tahiti und ihren Inseln
Nach einer heute allgemein anerkannten Theorie kamen die ersten Polynesier, die vor ungefähr 2000 Jahren in großer Zahl die Pazifikinseln besiedelten, aus Südostasien. Die Boote dieser kühnen Seeleute, die gute Kenntnisse über Wind, Strömungen und Sterne besaßen, waren Doppelpirogen aus Holz und geflochtenen Fasern. Ihre Reise gegen Osten führte sie zwischen 500 v.Chr. und 500 n.Chr. zu den Inselgruppen in der Mitte des Pazifiks (Cook, Tahiti und die anderen Gesellschaftsinseln), wo sie sich niederließen.
Die Folge dieser großen Migrationswelle, die um 1000 n.Chr. ausklang, war die Entstehung des "polynesischen Dreiecks" zwischen Hawaii (im Norden), der Osterinsel (im Osten) und Neuseeland (im Südwesten).
1769 landete dann der Brite James Cook auf Tahiti und erklärte die Gesellschaftsinseln zum Besitz der britischen Krone. Zu dieser Zeit umfasste die Inselgruppe die Herrschaftsgebiete mehrerer Häuptlinge und Könige, die an eine einheitliche, polynesische Kosmogonie mit mehreren Gottheiten glaubten. Nach und nach verbreiteten evangelische und katholische Missionare den christlichen Glauben, und 1797 gelang es einem Häuptling, mit Hilfe von Europäern die Vorherrschaft zu erlangen und die Dynastie "Pomare" zu begründen.
Im Laufe der beiden Weltkriege kämpften zahlreiche Bewohner der Inseln an der Seite der Franzosen, und Tahiti schloss sich im letzten Krieg den französischen Widerstandstruppen der "France Libre" an.
1958 wurde aus den Etablissements Français d'Océanie (EFO - Französische Niederlassungen in Ozeanien) Französisch- Polynesien.
In den sechziger Jahren vollzog sich eine Wende in der Geschichte der Insel Tahiti, die in kürzester Zeit einen Sprung in die Modernität machte. Die Einrichtung des Centre d'Expérimentation du Pacifique (CEP - Pazifik-Versuchszentrum) im Jahre 1963 zog zahllose Bewohner anderer Inseln an, die erstmals die Vorzüge und Nachteile der Konsumgesellschaft entdeckten. Zahlreiche Firmen wurden gegründet, der Dienstleistungssektor expandierte, und der Lebensstandard stieg.
Die Geschichte in grossen Zügen
- Zwischen 40'000 und 3'000 v.Chr. gewinnen aus Asien kommende Völker die Inseln des westlichen Pazifiks.
- Gegen 4000 v.Chr. verlassen die Vorfahren der Polynesier Süd-Ostasien und ziehen, durch die Inseln des West-Pazifiks, weiter nach Osten, über Vanuatu bis zu den Tonga- und Samora-Inseln.
- Zwischen 150 v.Chr. und 400 n.Chr. besiedeln die Polynesier das heutige Französisch Polynesien. Von hier aus entdecken sie Hawaii, die Osterinseln und Neuseeland.
- 1521. Der portugiesische Seefahrer Magellan besiegt als Erster das Kap Horn und entdeckt einige Tuamotu-Atolle im von ihm getauften "Stillen" Ozean.
- 1595. Der Spanier Mendana entdeckt und benennt die südlichen Marquesas-Inseln.
- 1767. Der Engländer Wallis entdeckt auf einer Weltumsegelung die Inseln Tahiti.
- 1768. Der Franzose Bougainville, der die erste europäische wissenschaftliche Expedition im Pazifik ausführt, geht in Tahiti vor Anker. Er wird zum Verbreiter des Mythos der Paradies-Insel Tahiti.
- 1769. Aufenthalt der ersten wissenschaftlichen Expedition des Engländers James Cook in Tahiti. An den zwei Folgenden nehmen der deutsche Naturalist Forster und sein Sohn teil.
- 1789. Nach der Meuterei auf dem englischen Schiff Bounty lässt sich ein Teil der Mannschaft in Tahiti nieder.
- 1797. Ankunft der ersten protestantischen Missionare der London Missionary Society.
- 1804. Die erste wissenschaftliche Weltumsegelung der russischen Marine, geleitet von Krusenstern und Langendorf; besucht die Marquesas-Inseln und entdeckt weitere Inseln der Tuamotus.
- 1819. Pomare II, Häuptling eines einflussreichen Stammes von Tahiti, wird zum König gekrönt.
- 1842. Angesichts der wachsenden Spannungen zwischen Engländern und Franzosen, zwischen Protestanten und Katholiken, verkündet der französische Admiral Dupetit-Thouars das französische Protektorat über das Königreich Tahiti, trotz des Widerstandes der Königin Pomare IV.
- 1851. Friedrich Gerstäcker verbringt 2 Monate auf Tahit. Aufenthalt, der ihn zu mehreren Abenteurromanen inspiriert.
- 1863. Ankunft der ersten Chinesen, um auf einer Baumwollplantage in Tahiti zu arbeiten.
- 1877. Gründung der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft der Südseeinseln, die bis 1914 eine wichtige Rolle auf Tahiti und den Marquesas-Inseln spielt.
- 1880. Die von König Pomare V. unterzeichnete Annexionsakte macht aus den Gesellschaftsinseln die "Etablissements français de l'Océanie - EFO", eine Kolonie der französischen Republik.
- 1897. Der deutsche Ethnologe Karl v.d. Steinen studiert die Kultur und besonders die Tätowierungen der Marquesaner, die dank seiner Aufzeichnungen der Nachwelt erhalten sind.
- 1903. Tod des französischen Malers Paul Gauguin auf der Marquesas-Inseln Hiva Oa.
- 1915. Graf v. Luckners Seeadler sinkt in Mopelia, einem Atoll unweit von Bora Bora. Sein vermeintlicher Schatz lockt viele Taucher an.
- 1942. Bora Bora wird zum amerikanischen Stützpunkt gegen die Japaner.
- 1946. Die "EFO" werden zum Übersee-Territorium: alle Polynesier erhalten die französische Nationalität.
- 1947. 90 Tage nach der Abfahrt von Peru strandet Thor Heyerdahls Balsafloss "KonTiki" auf der Tuamotu-Insel Raroia und beweist somit die Möglichkeit vorgeschichtlicher Kontakte der Polynesier mit dem amerikanischen Kontinent.
- 1958. Aus den "EFO" wird Französisch Polynesien.
- 1961. Einweihung des internationalen Flughafens von Tahiti-Faaa: Französisch Polynesien öffnet sich dem Tourismus.
- 1966. Erster Atomversuch auf Moruroa, einem 1200 km südöstlich von Tahiti gelegenen Tuamotu-Atoll.
- 1973. Die Chinesen Französisch Polynesiens werden zu französischen Staatsbürgern.
- 1984. Französisch Polynesien erhält den Status interner Autonomie; Frankreich ist weiterhin für öffentliche Ordnung, Justiz, Währung und Aussenpolitik verantwortlich.
- 1996. Frankreich stellt die Atomversuche in Moruroa ein.
- 2004. Französisch Polynesien wird ein französisches Übersee-Land.
